PPSU (Polyphenylsulfon): Dichte, Drucktemperatur und wann es die richtige Wahl ist
PPSU (Polyphenylsulfon) ist ein amorpher Hochtemperaturkunststoff, vor allem bekannt aus medizinischen Instrumenten und Teilen, die Hunderte Autoklavierzyklen ohne Festigkeitsverlust überstehen. Anders als die kristallinen PPS und PEEK bleibt PPSU auch nach wiederholtem Erhitzen und Abkühlen schlagfest und leicht flexibel, der Druck erfordert aber trotzdem einen Drucker der Industrieklasse.
Wichtigste Eigenschaften
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Dichte | ≈1,29 g/cm³ |
| Düsentemperatur | 360–390 °C |
| Bett-Temperatur | 100–130 °C |
| Bauteilkühlung | aus |
| Schrumpfung | moderat, niedriger als bei kristallinen Pendants |
| Kammer nötig | ja |
Wann verwenden
- Wiederverwendbare medizinische Instrumente und Gehäuse, die regelmäßige Autoklav-Sterilisation erfordern.
- Teile mit Stoßbelastung bei erhöhter Temperatur — PPSU bleibt zäh, wo PPS und PEEK reißen.
- Komponenten für Lebensmittel- und Medizingeräte, bei denen Beständigkeit gegen heißes Wasser und Dampf wichtig ist.
- Ersatz für Polycarbonat bei Aufgaben, die höhere Wärmebeständigkeit bei erhaltener Schlagzähigkeit erfordern.
Wann etwas anderes wählen
- Maximale chemische Beständigkeit gegen Lösemittel und Kraftstoff ist nötig — bei PPS ist sie höher.
- Höchste Wärmebeständigkeit und Steifigkeit sind gefragt — PEEK und PEKK übertreffen PPSU mechanisch bei extremen Temperaturen.
- Keine Autoklavierung nötig, sondern einfach günstigere Schlagfestigkeit und Transparenz — normales PC erledigt die Aufgabe für weniger Geld.
Vor- und Nachteile
Vorteile: hohe Schlagzähigkeit auch bei erhöhten Temperaturen, übersteht Hunderte Sterilisationszyklen ohne Abbau, gute Transparenz in der Grundausführung, stabile dielektrische Eigenschaften.
Nachteile: erfordert einen Drucker mit Düse 360 °C+ und heißer Kammer — auf Heimgeräten nicht verfügbar; hoher Filamentpreis; neigt ohne präzise Temperaturkontrolle zur Schichtdelamination; druckt langsamer als Standard-Technikkunststoffe.
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Auswirkung auf die Druckkosten
PPSU gehört zur selben Kategorie „industrieller" Materialien wie PEEK und PEKK — der Druck erfordert die Abschreibung eines spezialisierten Druckers mit heißer Kammer, nicht nur teureres Filament. Der Materialpreis selbst ist hoch, und wegen des Delaminationsrisikos bei langen Drucken ist die Ausschussquote höher als bei Standardkunststoffen — das sollte als eigener Posten in die Kalkulation einfließen. Ein solcher Aufwand lohnt sich meist nur dort, wo der Kunde tatsächlich wiederholte Sterilisation oder Schlagfestigkeit bei Wärme braucht — für andere Aufgaben gibt es günstigere Alternativen.