1. August 2026
Purge-Abfall bei AMS: wie viel Filament der Mehrfarbendruck wirklich kostet

Jeder AMS-Nutzer kennt das früher oder später: Der Druck ist fertig, und im Abfallschacht (oder auf dem Purge-Turm) liegt mehr Kunststoff, als das Teil selbst optisch verbraucht haben sollte. Das ist kein Zufall — bei Mehrfarbendrucken ist Purge beim Farbwechsel ein echter, wiederkehrender Kostenpunkt, und es ist kein Zufall, dass das zu den häufigsten Beschwerden in Bambu-Lab- und Multimaterial-Communitys zählt.
Woher der Verlust überhaupt kommt
Bei jedem Wechsel von einer Filamentfarbe zur nächsten muss die alte Farbe erst aus dem Hotend gedrückt und durch die neue ersetzt werden, bevor wieder sauber gedruckt wird — sonst gibt es Schlieren und Farbvermischung auf den ersten Millimetern der neuen Farbe. Dieser Spülvorgang landet irgendwo: auf einem Purge-Turm neben dem Modell oder, bei neuerer Firmware/Slicer-Kombination, direkt im AMS-Abfallschacht.
Jeder einzelne Farbwechsel kostet in der Größenordnung von wenigen Gramm Filament und einigen zehn Sekunden Zeit. Für sich genommen klingt das nach wenig. Das ändert sich, sobald man das mit der Zahl der Farbwechsel in einem realen Mehrfarbenmodell multipliziert — bei einem mittel detaillierten Vierfarbenmodell kommen über alle Layer hinweg schnell nicht vier, sondern mehrere Dutzend Wechsel zusammen.
Wie groß ist das Problem wirklich
Die aus der Community berichteten Werte schwanken je nach Modellkomplexität, aber ein häufig genannter Richtwert ist ein Purge-Anteil von rund 15-25 % des gesamten Filamentverbrauchs bei komplexen Mehrfarbendrucken — und das kann bei Modellen mit häufigen, feinen Farbübergängen (dünne, sich alle paar Layer wiederholende Farbstreifen zum Beispiel) noch höher liegen.
Konkret heißt das: Wenn der sichtbare, gedruckte Teil eines Modells 30 g Filament verbraucht, kann der Purge auf einer farbintensiven Version desselben Modells eine vergleichbare Menge obendrauf verursachen — im schlechten Fall sogar mehr. Das ist kein Posten, den man auf null runden kann. Es ist eine zweite Materialkostenlinie, die mit der Zahl der Farbwechsel skaliert, nicht mit der Größe des Teils.
Was den Purge-Anteil verschlimmert:
- Mehr Farben — mehr Übergänge, mehr Purge-Ereignisse, annähernd linear.
- Feine Farbdetails — Logos, Farbverläufe und dünne mehrfarbige Streifen erzwingen häufige Wechsel selbst bei einem kleinen Modell.
- Kontrast zwischen den Filamenten — der Wechsel von einer dunklen Farbe zu Weiß (oder umgekehrt) braucht üblicherweise eine größere Spülmenge, um die alte Farbe vollständig zu entfernen, als der Wechsel zwischen ähnlichen Farbtönen.
Wie man den Verlust reduziert (ohne Komplettanleitung)
Das ist nicht der Ort für eine vollständige Einstellungs-Anleitung, aber es lohnt sich zu wissen, dass es Stellschrauben gibt:
- Feinjustierung der Spülmenge (Flushing Volume). Bambu Studio und ähnliche Slicer erlauben es, die Spülmenge pro Farbpaar individuell einzustellen, statt für jeden Übergang einen konservativen Standardwert zu verwenden — Übergänge zwischen ähnlichen Farbtönen kommen meist mit deutlich weniger Purge aus als ein Wechsel von dunkel zu hell.
- Das Modell selbst als Purge-Ziel nutzen. Wird der Purge statt in einen separaten Turm in die Füllung, eine geopferte Stützstruktur oder das Innere eines Objekts geleitet, wird ein Teil des Kunststoffs als konstruktives Material genutzt statt als reiner Abfall zu enden.
- Weniger, größere Farbflächen. Ein Design mit großen Farbblöcken statt vielen kleinen, alternierenden Bereichen braucht für dasselbe visuelle Ergebnis deutlich weniger Übergänge.
Keiner dieser Hebel eliminiert den Purge-Verlust vollständig, aber ein gut abgestimmtes Profil kann ihn spürbar vom oberen Ende der 15-25-%-Spanne in Richtung des unteren Endes verschieben.
Wie man es korrekt einpreist
Der Fehler besteht darin, Purge als unsichtbare Gemeinkosten zu behandeln, die einfach in der Marge verschwinden. Das sollte er nicht — es ist echtes Filament, zum gleichen Preis pro Gramm eingekauft wie das Filament, das im fertigen Teil landet, und es muss vor dem Druck im Angebot auftauchen, nicht erst hinterher, wenn die Spule früher leer ist als erwartet.
Die praktische Lösung ist simpel: den Auftrag nach dem tatsächlichen Filamentverbrauch kalkulieren, nicht nur nach dem im Slicer angezeigten Modellgewicht für den sichtbaren Teil. Zeigt der Slicer oder das Druckprotokoll den Gesamtverbrauch pro Farbe inklusive Purge an, sollte diese Zahl für die Kalkulation verwendet werden. Falls nicht, sollte für Mehrfarbenaufträge ein Purge-Aufschlag auf das Slicer-Gewicht eingeplant werden — basierend auf eigenen Verwiegungen des AMS-Abfallschachts bei vergleichbaren Aufträgen, da der genaue Prozentsatz stark von Farbanzahl und Übergängen im jeweiligen Modell abhängt.
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Genau diese Lücke soll eine Materialkalkulation schließen, die den tatsächlichen Verbrauch erfasst statt nur das nominelle Modellgewicht — ein Mehrfarbenauftrag, der nur nach dem Gewicht des sichtbaren Teils kalkuliert wird, ist still und leise um genau den Betrag unterpreist, der im Purge-Turm oder Abfallschacht liegt.
Fazit
Purge-Abfall bei Mehrfarbendrucken ist kein Rundungsfehler — bei komplexen Aufträgen kann er ein Fünftel oder mehr des gesamten Filamentverbrauchs ausmachen, manchmal in der Größenordnung des Teils selbst. Spülmengen und Purge-Ziele sinnvoll abstimmen senkt das, wo es geht, aber der Rest gehört als Materialkosten eingepreist, nicht als kostenlose Gemeinkosten. Einmal den Abfall aus ein paar eigenen Mehrfarbenaufträgen wiegen, um einen realistischen Prozentsatz für die eigene typische Modellkomplexität zu bekommen — und den dann in jedes künftige Mehrfarbenangebot einrechnen.
