8. August 2026
FDM-Nachbearbeitung: Stützen entfernen, schleifen, lackieren und kleben — und wie man es einpreist
Ein FDM-Teil geht selten direkt vom Druckbett zum Kunden. Schichtlinien sind mit bloßem Auge sichtbar, Kontaktstellen der Stützstrukturen hinterlassen raue Stellen, und wenn eine einheitliche Farbe oder eine glatte Oberfläche gewünscht ist, kommt man um Nachbearbeitung nicht herum. Das ist eine andere Mechanik als beim Harzdruck — dort geht es um Waschen und UV-Härten, hier um die mechanische und chemische Nachbearbeitung einer geschichteten Kunststoffoberfläche. Wer mit Harz arbeitet, findet den passenden Ablauf im separaten Artikel zur Nachbearbeitung von Harzdrucken.
Stützen entfernen und Grobvorbereitung
Stützstrukturen werden direkt nach dem Druck mit einem Seitenschneider oder einer Zange entfernt, solange der Kunststoff noch etwas warm und geschmeidiger ist — so brechen sie sauberer ab. An den Kontaktstellen der Stützen bleiben fast immer Grate und raue Stellen zurück — das Erste, was vor der weiteren Bearbeitung entfernt wird, meist mit einem Bastelmesser oder einer kleinen Feile.
Schleifen
Sichtbare Schichtlinien werden mit Schleifpapier entfernt, wobei die Körnung schrittweise erhöht wird — zum Beispiel 200 → 400 → 800 → 1200. Mehrere Körnungsstufen auf einmal zu überspringen lohnt sich nicht: grobes Papier hinterlässt Kratzer, die feines Papier in vertretbarer Zeit nicht mehr entfernt.
Ein paar praktische Hinweise:
- Nassschleifen (Schleifpapier plus etwas Wasser) reduziert die Kunststoffstaub-Belastung in der Luft deutlich und schont das Schleifpapier.
- Füllgrundierung vor dem letzten Schleifgang hilft — sie füllt die Schichtlinien teilweise auf, und nach dem Trocknen braucht der Schliff weniger Aufwand für ein glatteres Ergebnis.
Acetondampf-Glättung — nur bei ABS
Eine eigene Technik für ABS ist das Glätten der Oberfläche mit Acetondampf: Das Teil kommt in einen geschlossenen Behälter mit Aceton (zum Beispiel ein acetongetränktes Tuch am Boden, oder eine richtige Dampfkammer), der Dampf schmilzt die äußere Schicht des Kunststoffs leicht an, und die Schichtlinien verschwinden nach wenigen Minuten sichtbar. Die Zeit muss genau kontrolliert werden — bei zu langer Einwirkung verliert das Teil feine Details und kann seine Form verändern.
Diese Methode funktioniert nicht bei PLA oder PETG — Aceton löst sie kaum an. Für diese Materialien bleibt nur mechanisches Schleifen oder ein anderes, zum jeweiligen Kunststoff passendes Lösungsmittel.
Aceton ist leicht entzündlich, und seine Dämpfe sind bei längerer Einwirkung giftig — es sollte in einem gut belüfteten Raum, fern von offenem Feuer und Zündquellen, mit lösungsmittelbeständigen Handschuhen gearbeitet werden.
Grundieren und Lackieren
Selbst nach dem Schleifen sind Schichtlinien unter bestimmtem Lichteinfall oft noch leicht zu erkennen — eine Füllgrundierung unter dem Lack gleicht das endgültig aus. Lackiert wird meist mit kunststoffkompatiblem Acryl-Sprühlack in mehreren dünnen Schichten — das reduziert Läufer und ergibt ein gleichmäßigeres Ergebnis als eine dicke Schicht.
Teile verkleben
Für die meisten FDM-Kunststoffe ist Cyanacrylat-Kleber (Sekundenkleber) die praktische Wahl: schnell abbindend, stabil genug für dekorative und leicht belastete Verbindungen. Für stärker belastete mechanische Verbindungen eignet sich zweikomponentiger Epoxidkleber besser — er ist stabiler und lässt sich vor dem Aushärten noch nachjustieren.
Speziell bei ABS funktioniert zusätzlich das Kleben durch Anlösen: Aceton löst die Kunststoffoberfläche an der Klebestelle teilweise an, und nach dem Verdunsten des Lösungsmittels sind die Teile praktisch miteinander verschweißt — die Verbindung ist dabei oft stärker als eine geklebte. Früher wurde dafür häufig Dichlorethan verwendet, das ist jedoch giftig und krebserregend — Aceton liefert bei ABS ein vergleichbares Ergebnis bei deutlich geringerem Risiko, und es gibt keinen guten Grund, stattdessen auf Dichlorethan zurückzugreifen. Bei jedem Lösungsmittel gilt: Belüftung und lösungsmittelbeständige Handschuhe sind Pflicht.
Wie man es einpreist
Nachbearbeitung ist vor allem Zeit, kein Verbrauchsmaterial: Schleifpapier, Grundierung und Lack kosten pro Teil nur Cent-Beträge, aber 15-40 Minuten Handarbeit für Stützen entfernen, Schleifen und Lackieren eines einzelnen Teils sind ein echter Kostenpunkt — einer, der leicht übersehen wird, wenn nur nach Kunststoffgewicht und Druckzeit kalkuliert wird.
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Die Logik ist dieselbe wie bei der Harz-Nachbearbeitung: Bestellt ein Kunde ein Teil zum Lackieren, sollte die dafür nötige Zeit als eigener Posten eingepreist werden, statt sie "über den Daumen" in den Gesamtpreis einzurechnen — sonst werden ausgerechnet die Aufträge mit Nachbearbeitung zu den unrentabelsten im Sortiment, obwohl sie am hochwertigsten wirken.
Fazit
FDM-Nachbearbeitung ist eine Abfolge: Stützen entfernen → Schleifen (bei ABS optional mit Acetondampf) → Grundieren → Lackieren → bei Bedarf Kleben. Jeder Schritt kostet echte Zeit des Handwerkers, und genau diese Zeit — nicht das Verbrauchsmaterial — macht den größten Teil der Kosten dieser Phase aus. Sie sollte ausdrücklich eingepreist werden.
