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7. August 2026

Großaufträge im 3D-Druck: Wie man den Preis für eine Serie ab 50 Teilen kalkuliert

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Früher oder später kommt statt „Druck mir bitte eine Figur" die Anfrage nach 50, 100 oder 200 identischen Teilen — für eine Veranstaltung, zum Weiterverkauf, als Serie für ein Marketplace-Listing. Die Freude über den großen Auftrag weicht schnell einer schwierigeren Frage: Wie kalkuliert man das eigentlich? Die Kosten eines Teils einfach mit der Menge zu multiplizieren, ist nicht ganz richtig — denn eine Serie spart an einer Stelle Geld und kostet an anderer Stelle mehr.

Wie sich eine Serie von einem Einzelteil unterscheidet

Material und Strom skalieren linear — 50 Teile verbrauchen exakt 50-mal so viel Kunststoff und Kilowattstunden wie eines, hier gibt es keine Ersparnis und wird auch keine geben. Wo eine Serie tatsächlich spart, ist beim Rüsten.

Jeder Druckstart kostet Arbeitszeit: Bett nivellieren, erste Schicht einstellen, Düse prüfen, bei Bedarf Filamentrolle wechseln. Diese Zeit hängt nicht davon ab, ob ein Teil oder mehrere gleichzeitig auf derselben Druckplatte gedruckt werden — sie fällt einmal pro Druckzyklus an, nicht einmal pro fertigem Teil.

Rüst-Ersparnis = Rüstkosten × (1 − 1 / Teile pro Druckzyklus)

Beispiel

Das Nivellieren des Betts und die Einstellung der ersten Schicht dauern 20 Minuten Arbeitszeit, bewertet mit 500 RUB/Stunde — eine Rüstung kostet also rund 167 RUB. Wird nur ein Teil pro Durchgang gedruckt, landen diese 167 RUB in voller Höhe auf diesem einen Teil. Passen 4 identische Teile pro Zyklus auf die Druckplatte, ist die Rüstung dieselbe, verteilt sich aber auf vier — 42 RUB pro Teil statt 167 RUB.

Ersparnis pro Teil = 167 − 42 = 125 RUB

Bei einer Serie von 50 Teilen sind das schon über 6.000 RUB an realer Ersparnis — und genau diese Zahl, nicht ein Bauchgefühl, sollte die Grundlage für einen Mengenrabatt sein.

Auch das Risiko skaliert mit

Die Kehrseite einer Serie: Zeigt sich ein Fehler im Modell, in den Slicer-Einstellungen oder bei der Kalibrierung nicht sofort, sondern erst mitten im Druckvorgang, steht nicht ein Teil auf dem Spiel, sondern die gesamte Serie. Schichttrennung, verschobene Schichten, von der Spezifikation abweichende Maße — bei einem Einzelteil ist das ein ärgerlicher Nachdruck, bei einer Serie von 100 Stück sind es verlorenes Material und verlorene Zeit für den kompletten Auftrag.

Es lohnt sich, es zur Gewohnheit zu machen: Vor dem Start der vollen Serie wird immer erst ein Testexemplar gedruckt — mit denselben Einstellungen, demselben Material, derselben Ausrichtung auf dem Bett. Erst nach dessen Prüfung (Maße, Festigkeit, Oberflächenqualität) startet die gesamte Serie. Zeit und Material für das Testexemplar gehören als eigener Posten in den Preis des Auftrags, nicht als Verlust abgeschrieben.

Zu bedenken ist auch, dass sich eine Düse bei einer großen Serie spürbar stärker abnutzt als bei einem einmaligen Druck — besonders bei abrasivem Filament. Bei einer großen Serie ist es sinnvoll, einen möglichen Düsenwechsel mitten im Druck einzuplanen, statt darauf zu vertrauen, dass dieselbe Düse die ganze Serie problemlos übersteht.

Wie man einen Rabatt aushandelt, ohne die Marge zu verlieren

Die Logik ist einfach: Ein Mengenrabatt sollte die tatsächliche Rüst-Ersparnis widerspiegeln, nicht eine willkürliche Geste guten Willens gegenüber dem Kunden sein. Eine grobe Skala als Ausgangspunkt:

MengeRabatt
unter 50 Stück0 %
50–99 Stück5 %
100–199 Stück8 %
ab 200 Stück10–12 %

Die genauen Prozentsätze hängen davon ab, wie viele Teile tatsächlich pro Zyklus auf die Druckplatte passen und wie viel Rüstzeit das in der Praxis spart — die Skala zeigt die Größenordnung, keine universelle Formel. Liegt die Rüst-Ersparnis bei nicht mehr als 3 % der Kosten der Serie, der Kunde verlangt aber 15 % Rabatt, sollte man nicht zustimmen — das ist dann kein „Mengenrabatt" mehr, sondern Arbeit mit Verlust, als gutes Geschäft getarnt.

Worauf man sich nicht einlassen sollte

Ein Großauftrag wirkt verlockend, aber zwei Bedingungen können ihn zum Problem machen:

  • Unrealistische Fristen. Die Maschinendruckzeit skaliert linear mit der Menge — anders als das Rüsten wird sie bei einer Serie überhaupt nicht eingespart. 50 Teile mit je 8 Stunden Druckzeit sind 400 Stunden Maschinenzeit, und selbst bei mehreren parallel laufenden Druckern sind das Tage, keine Stunden. Bevor man einer Frist zustimmt, sollte man ehrlich durchrechnen, wie viele Stunden die Drucker tatsächlich blockiert sind, und Puffer für Ausschuss und unvorhergesehene Pausen einplanen.
  • Zahlung erst bei Lieferung, ohne Anzahlung. Material für eine große Serie wird oft im Voraus gekauft, und zwar in einer Menge, die sich nicht immer für andere Aufträge nutzen lässt, falls der Kunde es sich anders überlegt oder die Zahlung verzögert. Bei einer Serie ab 50 Teilen ist eine Anzahlung kein Zeichen des Misstrauens gegenüber einem bestimmten Kunden, sondern gängige Praxis: mindestens die Materialkosten im Voraus, besser ein erheblicher Teil der Gesamtsumme. Wie man das im Vertrag festhält, steht in Dienstleistungsvertrag im 3D-Druck: was hineingehört.

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Was das in der Praxis bedeutet

Eine Serie ab 50 Stück ist nicht „derselbe Druck, nur größer" — sie ist eine eigene Kalkulation: Ein Teil der Kosten (Rüsten) sinkt bei größerer Menge tatsächlich, ein anderer Teil (Material, Maschinenzeit, Ausschussrisiko) steigt linear oder sogar schneller. Wenn der Mengenrabatt aus der tatsächlichen Ersparnis berechnet wird statt aus dem Bauch heraus, bringt ein großer Auftrag planbaren Gewinn — statt Drucker, die eine Woche lang blockiert sind, für eine Endsumme, die kaum das Material deckt.

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